Soziale Netzwerke für Wissenschaftler (Teil 2/4)

Nach einer Einführung und der Vorstellung der ersten vier sozialen Netzwerke für Wissenschaftler in Teil 1, setzen wir hiermit die Serie mit den Kurzvorstellungen folgender Netzwerkdienste fort:

 

LabRoots – Umfangreiche Funktionalitäten

 

LabRoots ist in der zweiten Hälfte 2008 online gegangen. Das Netzwerk hat derzeit einige tausend Mitglieder. An Hand der Nutzernummer im Profil lässt sich die Nutzerzahl auf etwas über 4.000 schätzen.

 

 

Betreiber des Projektes ist die Firma LabRoots Inc. Auf der Seite ist Werbung vorhanden. Über das Geschäftsmodell ist nichts weiteres bekannt.

 

Funktionen: Nachrichtenversand, eigener Blog, Literaturverzeichnis, Dokumente Upload, Kontakte zum Netzwerk hinzufügen, Gruppen, aktuelle Jobangebote, Publications Feature von PubMed und anderen Internetquellen, Veranstaltungen Datenbank und Suche, Frage und Antwort Forum, Review Funktionalität, Data Mining um Menschen mit gleichen Interessen zusammenzubringen, Video und mehr.

 

 

Newsfeeds externer Anbieter versorgen die Mitglieder mit aktuellen Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung. Diese Nachrichten lassen sich auch nach Forschungsdisziplinen filtern, weitere Sortiermöglichkeiten gibt es aber nicht. Mit Hilfe kleiner Tools (Widgets) für die persönliche Einstiegsseite lassen sich weitere nützliche Funktionen nachrüsten. Die Auswahl der Tools ist allerdings recht klein. Eine Integration weiterer Dienste wie Twitter, Facebook oder YouTube besteht noch nicht, daran wird aber gearbeitet.

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form http://labroots.com/app/account/profile_view/usernummer öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Greg Cruikshank, CEO von LabRoots. Nur Verbindungen zu anderen Mitgliedern werden nicht gezeigt. Das öffentliche Profil lässt sich abschalten, in dem man von „Profil für alle sichtbar“ zu „Profil für keinen sichtbar“ wechselt.

 

myExperiment – Kollaboratives Arbeiten und Daten teilen

 

Im November 2007 ist myExperiment gestartet. Über 3.500 Wissenschaftler sind als Mitglieder angemeldet, hauptsächlich aus dem Gebiet Life Sciences. Schwerpunkt des Netzwerkes ist es den wissenschaftlichen Arbeitsablauf und zugehörige Daten zu teilen. Die Universität von Manchester und die Universität von Southampton stehen hinter der Seite. Firmen wie z.B. Microsoft sponsoren das Projekt, wodurch es werbefrei ist. myExperiment gehört zu dem Projekt myGrid, dem größten e-Science Projekt in Großbritannien.

 

 

Funktionen: Nachrichtenversand, Literaturverzeichnis in Form aller hochgeladener Dateien, Upload (mit CC Lizenz) & Download von Dokumenten, Kontakte zum Netzwerk hinzufügen, Gruppen, Workflow und Dokumente anfragen und erhalten, sowie Import und Export von Workflows und anderen digitalen Dokumenten. Außerdem gibt es eine API, mittels derer auf Inhalte in myExperiment zugegriffen werden kann. In Packs werden Verlinkungen zu verschiedenen Dingen zusammengefasst. Sie sind soetwas wie ein Archivordner.

 

 

Zusätzlich gibt es ein Projekt-Wiki. Über die Integration von anderen Diensten wird beraten.

Als einziges Netzwerk fand myExperiment unseren wohl zu offensichtlichen Testaccount innerhalb von 24 Stunden und löschte ihn.

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form http://www.myexperiment.org/users/usernummer öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Carole Goble, Direktorin des myGrid Projekts. Dies ist nicht abstellbar, Einstellungen zur Privatsphäre fehlen völlig.

 

Nature Network – Publisher Community Service

 

Nature Network wird von der Nature Publishing Group, dem Verlag u.a. hinter der Fachzeitschrift Nature, betrieben. Seit Februar 2007 ist es online und hat aktuell über 25.000 Mitglieder. Auf der Seite ist Werbung vorhanden.

 

 

Funktionen: Aktivitätenmeldung, Nachrichtenversand, eigener Blog, Literaturverzeichnis, Kontakte zum Netzwerk hinzufügen, Gruppen, Foren, lokale Jobangebote und Veranstaltungsinformationen, redaktionelle Inhalte, Upload von Dokumenten, Bildern und Videos, sowie eMail Updates.

 

Für die regionale Vernetzung gibt es sogenannten Hubs. Mitglieder der selben geographischen Region können sich in diesen „Ortsgruppen“ zusammenfinden. Vollentwickelte Hubs (Kriterium dafür ist unklar) werden dann mit lokalen Nachrichten, Stellenangeboten und Veranstaltungen versorgt. Die Integration anderer Dienste soll demnächst verfügbar sein.

 

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form http://network.nature.com/people/nutzerid/profile öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Chris Surridge, Chief Editor von Nature Protocols. Das öffentliche Profil ist nicht abstellbar. Nur für die Kontaktdetails gibt es Privatsphäreneinstellungen, weitere Einstellmöglichkeiten fehlen.

 

Orwik – Premiumanbieter für Gruppenarbeiten

 

Am 1. Januar 2010 startete Orwik. Informationen über Mitgliederzahlen sind zur Zeit nicht öffentlich verfügbar, den Gruppenstärken zu Folge, gibt es aber noch recht wenig Mitglieder.

 

 

Orwik ist eines von zwei Netzwerken im Vergleich, welches Premimumaccounts anbietet und dafür eine Nutzungsgebühr verlangt. Die Details dazu werden aber auf der Homepage nicht angezeigt und sind erst nach der Anmeldung einsehbar. In den Terms of Service ist dazu allerdings ein Hinweis versteckt. Vier Stufen für den Premiumaccount mit unterschiedlicher Ausstattung stehen von 99 bis 499 US-Dollar pro Monat zur Auswahl. Der kostenlose Standardaccount enthält 5MB Speicher und keine Gruppenseite. Für 99 Dollar gibt es dann 5GB Speicherplatz, eine Gruppenseite und fünf Team-Mitglieder. Dafür ist die Website allerdings durchwegs werbefrei.

 

 

 

Ohne extra Neuanmeldung ist das Einloggen auch mit Facebookaccount möglich. Es gibt keine selber geschriebenen Statusmeldungen. Aktivitäten werden aber im öffentlichen Profil angezeigt. Auch ein Nachrichtenversand ist vorhanden. Gruppen kann ebenso wie anderen Mitgliedern gefolgt werden. Updates von beidem sollen im Neewsfeed angezeigt werden. Diesen konnten wir aber garnicht finden.

 

Mit Hilfe der PubMed-Datenbank werden Publikationen mit dem Nutzernamen verglichen und als eigene Publikationen vorgeschlagen. Das ist sehr praktisch und komfortabel. Die Möglichkeit andere eigene Publikationen hochzuladen oder nachzutragen fehlt leider. Allerdings besteht die Möglichkeit dem eigenen Profil einen Lebenslauf hinzuzufügen.

 

Es soll Widgets geben, um mit chemischen und Genomdaten zu arbeiten. Diese Widgets haben wir aber weder gesehen noch getestet. Für Entwickler externer Anwendungen ist eine API vorhanden.

 

Die Website scheint noch nicht vollständig ausgereift. So wird z.B. die falsche Accountbezeichnung angezeigt. Statt des Freiaccounts sollen wir einen Premiumaccount mit Kosten von 195 US-$/Monat besitzen. Auch der eigentlich vorgesehene Löschlink ist noch nicht vorhanden. Die Löschung eines Accounts funktioniert nur per Mail.

 

Zwar hat Orwik offiziellen keinen Fokus auf ein spezielles Fachgebiet, doch die Analysetools und der Publikationsservice ist auf Forscher in den „Life Sciences“ zugeschnitten.

 

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form https://orwik.com/people/username öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Borya E Shakhnovich, CEO von Orwik. Die Liste der gefolgten Personen ist aber nicht einsehbar. Das öffentliche Profil lässt sich weder einschränken noch abschalten.

 

(Fortsetzung folgt in Blogpost 3/4)

 

Autoren: Oliver Wunder, Sascha Fricke / Geozon Science Media, Greifswald http://www.geozon.net

 

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