Soziale Netzwerke für Wissenschaftler (Teil 3/4)

Nach Teil 1 und Teil 2 unserer Übersicht zu sozialen Netzwerken für Wissenschaftler, setzen wir hiermit die Serie mit den Kurzvorstellungen folgender Netzwerkdienste fort:

 

ResearchGATE – Mitgliederstark und funktional

 

Mit über 250.000 Mitgliedern ist ResearchGATE eines der größten wissenschaftlichen Netzwerke in unserem Vergleich. Gestartet wurde es am 23. Mai 2008 von Ijad Madisch, Sören Hofmayer und Horst Fickenscher. Inzwischen steht die ResearchGATE GmbH hinter dem Projekt. Auf ResearchGATE gibt es bisher keine Werbung.

 

Funktionen: Nachrichtenversand, eigener Blog, Literaturverzeichnis (mit Import aus ResearchGATE Literaturindex, Upload aus Referenzverwaltungssoftware oder manuellem Eintrag), Upload von Dokumenten, Kontakte hinzufügen zum Netzwerk, Gruppen und Jobangebote.

 

Der Network Graph visualisiert Verbindungen über Kontakte, Publikationen und Gruppen. Das kann aber auch, wie im Fall von Ijad Madisch, der viele Kontakte besitzt, recht unübersichtlich aussehen. Aber durch verschiedene Selektionsmöglichkeiten kann selbst in diesem dichten Netzwerk ein besserer Überblick ermöglicht werden.

 

 

Die Integration anderer Dienste ist in Planung. Ob Sciencefeed (gleiche Gründer, dazu weiter unten mehr) ein Bestandteil von ResearchGATE werden wird, ist offiziell noch nicht bestätigt, es würde sich aber anbieten.

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form https://www.researchgate.net/profile/Vorname_Nachname/ öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Ijad Madisch, Gründer von Researchgate. Über die vielen Einstellmöglichkeiten im Bereich Privatsphäre lässt sich das öffentliche Profil aber abschalten.

 

Scholarz – Kollaboratives Wissensmanagement

 

Scholarz ist das praktische Resultat eines interdisziplinären Forschungsprojekts der Universität Würzburg. Im Rahmen der Untersuchung „Wissenschaftliches Arbeiten im Web 2.0“ wurden die gesammelten Erfahrungen genutzt, um ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Seit 2008 ist es online. Inzwischen steht ein eigenes Startup Unternehmen dahinter. Die Mitgliederzahl ist nicht ersichtlich.

 

Während der Beta-Phase ist der Dienst kostenlos. Danach können Nutzungsgebühren anfallen, so die Info auf der Website, einen freien Basisaccount soll es aber immer geben. Scholarz verzichtet auf Werbung auf der Seite.

 

Scholarz dient hauptsächlich der Projekt- und Quellenverwaltung. Ideen und Daten können gespeichert, sortiert und verwaltet werden. Notizen zu Projekten und Quellen sind möglich. An Aufgaben kann gemeinsam gearbeitet werden.

 

 

Funktionen: Nachrichtenversand, Literaturverzeichnis, Kontakte hinzufügen zum Netzwerk, Gruppen und eine Bibliographie. Bisher gibt es keine Integration/Interaktion mit anderen Diensten.

 

Das Profil kann von außen nicht ohne Anmeldung eingesehen werden. Es gibt sehr gute Einstellmöglichkeiten im Bereich Datenschutz. So kann gewählt werden, wer was im Netzwerk sehen darf. Dabei gibt es drei Stufen der Privatsphäre: keiner, die eigenen Kontakte oder das komplette Netzwerk dürfen auf die Daten zugreifen.

 

Sciencefeed – Twitter+ für Wissenschaftler

 

Sciencefeed ist kein eigentliches soziales Netzwerk im engeren Sinn, sondern ein Microbloggingdienst. Es entstammt kreativen Köpfen um den ResearchGATE Mitgründer Ijad Madisch. Erst am 15. Februar 2010 ging der Dienst an die Öffentlichkeit und bekam sofort viel positives aber auch einiges kritisches Feedback. Sciencefeed ist werbefrei.

 

 

Für den wissenschaftlichen Austausch hinderliche Features von Twitter wurden angepackt. So sind statt 140 Zeichen 420 Zeichen möglich. Auch können Bilder und Dokumente an Nachrichten angehängt werden. Publikationen können über RePe, PubMed, CiteSeer, DOAJ, arxiv.org, NASA, IEEE und andere Dienste gesucht und eingefügt werden. Andere Nutzer können die Meldungen kommentieren. Dabei soll es keine Zeichenbegrenzung geben, lange Diskussionen wären also möglich. Das Kommentarfeld ist aber leider nicht besonders groß, sondern nur eine Zeile hoch. So wird es erschwert lange Kommentare zu schreiben. Außerdem scheinen die Kommentare zur Zeit noch auf 420 Zeichen limitiert zu sein.

 

Aus Sciencefeed lassen sich die Nachrichten wahlweise auch an bestehende Accounts in Twitter, Facebook und FriendFeed senden. Man kann aber auch für jede Nachricht neu entscheiden, wohin sie noch weitergeleitet werden soll. Ein Import von Nachrichten aus diesen Diensten ist ebenso möglich und findet nach erfolgreicher Verknüpfung automatisch statt. So lange Sciencefeed noch keine hohe Nutzerzahl hat, ist dies sicher die beste Möglichkeit weiterhin wichtige Follower zu bedienen, sich aber zeitgleich neue zu erschliessen. Die Anmeldung über einen Twitter-, FriendFeed- oder Facebook-Account ist möglich.

 

Vom Design und den Funktionen her, scheint man sich sehr stark an FriendFeed orientiert zu haben. Bis auf kleine Unterschiede in den Funktionen könnte man annehmen, Sciencefeed wäre nur ein anderes Theme für FriendFeed.

 

 

Wenn man sich über einen Twitteraccount in Sciencefeed anmeldet, ist es leider nicht möglich den Nutzernamen zu ändern oder eine eMail-Adresse anzugeben. Hat man sich also einmal für den Weg entschieden, sich so anzumelden, gibt es kein Zurück und jede neue Anmeldung muss per Twitter laufen.

 

Gruppen werden als neuer Nutzer angelegt, denen man dann automatisch folgt. In die Direktnachrichten an andere Mitglieder können Bilder, Dateien und Links zu Publikationen angehängt werde. Eine interessante Funktion ist sicherlich die Anzeige der meist diskutierten Beiträge.

 

Eine Listenfunktion ist integriert. Beliebig viele Listen lassen sich einfach anlegen. Nur Mitgliedern, denen man folgt kann man von einer Liste entfernen oder hinzufügen. Fortan erscheinen die Nachrichten der Nutzer in einer neuen Timeline für die Liste. Listen können nicht abonniert werden. Praktisch ist, dass man die „Home“-Timeline entschlacken kann, in dem man Nutzer von ihr entfernt, obwohl man ihnen folgt. Das bietet sich an, wenn man z.B. die Nachrichten eines Mitglieds zwar gelegentlich interessant findet, sie aber für nicht so relevant hält, dass sie in der Haupttimeline erscheinen müssen. Dafür packt man das Mitglied dann in eine Liste und kann sich bei Bedarf dessen Meldungen ansehen.

 

Generell gibt es viele kleine Funktionen, die erst nach längerer Betrachtung auffallen, dann aber sehr gefallen. Einzelne Nachrichten können in der Timeline ausgeblendet werden. Gefällt einem eine Nachricht, kann man das mit der „Like“-Funktion zum Ausdruck bringen. Mit einer Pausetaste lässt sich die Timeline einfrieren. Praktisch, wenn gerade viele neue Nachrichten eine wichtige Nachricht immer weiter nach unten schieben.

 

Die Feeds sind öffentlich aufrufbar über http://www.sciencefeed.com/username, können aber auf privat gestellt werden, so dass nur noch die zugelassenen Follower sie lesen können.

 

Zur Zeit funktionieren noch nicht alle Funktionen einwandfrei, wie oben beschrieben. Der sehr junge Dienst erfährt aber ständige Verbesserungen. Darüber berichtet Madisch regelmäßig in seinem Feed. In Sciencefeed ist Geozon erreichbar unter: http://www.sciencefeed.com/geozon

 

 

ScienceStage – Bringt Multimedia in die Wissenschaft

 

Im Februar 2008 wurde ScienceStage von den zwei Inhabern der Berliner Kommunikationsagentur einheit.berlin GmbH Sebastian Burmester und Marko Bubke-Chau sowie Dr. Heiko Krüger mit Sitz in Berlin gegründet. Auf der Website ist Werbung vorhanden.

 

ScienceStage setzt voll auf Multimedia und sieht sich selbst in erster Linie als Multiplikator für multimediale wissenschaftliche Beiträge. Dazu wird vor allem auf Video und Audio gesetzt. Aber auch Dokumente können hochgeladen werden. Videos und Audiodateien von Vorträgen, Konferenzen und Vorlesungen sollen es Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen ihr Wissen zu erweitern. Auch wer nicht gerade vor Ort dabei war, kann so interessante Veranstaltungen im nachhinein verfolgen.

 

Laut Angaben des Betreibers auf der Website sind über 270.000 Forscher, Universitäten, Institute und Firmen in dem Netzwerk angemeldet. Damit gehört ScienceStage zu den größten Netzwerken im Vergleich. Über die Suchfunktion finden sich aber je nach Spracheinstellung nur knapp über 300 Mitglieder (englisch) oder über 46.000 Mitglieder (deutsch und spanisch).

 

 

Videos der Plattform YouTube können über die URL eingebunden werden. Auch können Inhalte von ScienceStage in andere Websites simpel integriert werden. Nachrichten zu wissenschaftlichen Themen von externen Anbietern werden nach Kategorien sortiert bereitgestellt. Neue Inhalte sind per RSS Feed abrufbar.

 

Weitere Funktionen: eigener Blog, Kommentarfunktion auf der Profilseite (Bühne/Stage), Nachrichtenversand, Dokumentenupload (Format nur PDF), Kontakte hinzufügen zum Netzwerk und Gruppen.

 

Jedes Profil kann über eine URL in der Form http://sciencestage.com/nutzername öffentlich über das Internet für nicht registrierte Benutzer aufgerufen werden z.B. Marko Bubke-Chau, Gründer von ScienceStage. Es gibt keine Einstellmöglichkeiten, um dies zu verhindern oder einzuschränken.

 

(Fortsetzung folgt in Blogpost 4/4)

Autoren: Oliver Wunder, Sascha Fricke / Geozon Science Media, Greifswald http://www.geozon.net

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Oliver Wunder (Mittwoch, 21 April 2010 11:06)

    ResearchGATE started new features yesterday. You can use Microblogging and Sharing Service to send short messages, publications, links, pictures or other files and discuss them in real time. The possibility to connect your ResearchGATE account to Facebook, Twitter or LinkedIn is integrated as well.

  • #2

    Mark Thamm (Mittwoch, 10 November 2010 13:47)

    Was ist mit dem Teil 4 der Artikelserie?
    Für dort wurde ein abschließender Vergleich und tabellarische Übersicht in Aussicht gestellt. Ich finde die Reihe sehr interessant - wird das noch ergänzt?

  • #3

    Sascha Fricke (Mittwoch, 10 November 2010 15:32)

    Die tabellarische Übersicht (Teil 4) findet sich hier:
    http://www.geozon.info/2010/04/15/comparison-chart-of-scientific-networks/

  • #4

    Lorenz (Donnerstag, 01 März 2012 13:07)

    Zwar schon älter, dennoch sehr informativ! Vielen Dank dafür!