Geozon auf dem BibCamp in Hannover #bib3

Am 7. und 8. Mai findet an der FH Hannover auf der Expo-Plaza das dritte BibCamp statt. Geozon wird mit zwei Kollegen auf diesem BarCamp für Bibliothekare und andere Hacker aus dem Wissensmanagement vertreten sein. Wir hoffen, etwas darüber zu erfahren, welche Debatten derzeit an den Bibliotheken in bezug auf Open Knowledge geführt werden und wir werden einige Funktionen unseres Open Access Publikations-Systems PUBLISS vorstellen. Weitere Informationen finden sich auf dem Blog des BibCamp:

 

"Das BibCamp ist eine Art BarCamp rund um Bibliotheken. Wir möchten eine Kommunikationsplattform für einen Erfahrungsaustausch im Bereich Bibliotheken und wissenschaftliche Kommunikation schaffen. Herzlichst eingeladen sind alle BibliothekarInnen, Studierenden, DozentInnen aus dem Bibliotheksbereich und natürlich auch die BibliotheknutzerInnen. Wir sprechen aber bewußt auch Hacker aus verwandten Bereichen wie Archiv, Museum, E-Learning, Informationswissenschaft, Wissensmanagement und IT-Entwicklung an."


Open Access Verlage und die Bibliothek der Zukunft - Zeit für ein neues Agreement?

Unsere Session auf dem BibCamp soll das zukünftige Verhältnis von Verlagen und Bibliotheken in einer Open Access Welt thematisieren. Dabei werden wir auch das Idealbild einer möglichen wissenschaftlichen Informationslandschaft diskutieren – als Grundlage für die zentrale Fragestellung:

 

Wie können veränderte Aufgabenverteilungen und mögliche neue Kooperationen zwischen Open Access Verlagen und der Bibliothek 2.0 aussehen? 

 

Zur Einführung werden wir unser universitäres Ausgründungsprojekt Geozon Science Media als Verlag neuen Typs vorstellen. Inhalt:

- Wandel vom Content Provider zum Service Provider

- Multi Channel Publishing

- webbasierte Publikationstools (ein erster Blick auf den Entwicklungsstand von PUBLISS)

- Verlags-Katalog 2.0

- Social Media Marketing

 

Anschließend würden wir u.a. gerne diskutieren über:

- Welche Dienstleistungen erwarten Nutzer zukünftig von Bibliotheken und Verlagen?

- Wo liegen dabei Überschneidungen?

- Die Bibliothek als Publikationsort? (Univerlage)

- Der Verlag als Bibliotheks-Dienstleister? (Outsourcing)

- Wie kommen OA-Publikationen in den Bibliotheks-Katalog? (Schnittstellen, Metadaten)

- Verlags- und Bibliotheks-Kataloge verknüpfen? (Open Linked Data, Mashups)

- Zentrale oder dezentrale Archivierung von Publikationen? (Repositories Network)

...

Weitere Fragestellungen und Ideen zum Thema sind gerne gesehen.

 

Notizen aus der Session:

- Verstärkt Non-Profit-Akteure im OA-Publishing aktiv

- dennoch Wirtschaftlichkeit erforderlich

- diverse Geschäftsmodelle vom Author-Pays-Model bis zum Funding-Model (s. open-access.net

- Kritik: Author-Pays verschlechtert die Publikationsmöglichkeiten für Wissenschaftler aus finanzschwachen Institutionen; klassische Verlage würden meist keine Artikelgebühren erheben und somit Chancengleichheit gewährleisten

- dies entspricht nicht in allen Fachbereichen der Praxis-Erfahrung; oft werden hohe Herstellungskostenzuschüsse fällig; anschließend auch hohe Abonnementgebühren, so dass Wissenschaftler aus finanzschwachen Institutionen oft nur eingeschränkten Zugang zu aktuellen Publikationen haben

(„In einem anderen Licht lässt eine Studie der Kaufman-Wills Group die Problematik erscheinen. Darin wird unter anderem festgestellt, dass mehr als die Hälfte der im DOAJ aufgeführten Zeitschriften gar keine Autorengebühren verlangen, wohingegen viele kostenpflichtige Zeitschriften dies durchaus tun.“ Müller: Open Access – Eine Bestandsaufnahme)

 

- OA-Verlage sind keine Rechteverwehrter mehr; die ausschließlichen Nutzungsrechte verbleiben i.d.R. beim Autor

- Verbreitung der Publikation unter Creative Commons Lizenzen

 

- Einnahmen werden im wesentlichen durch publikationsbegleitende Dienstleistungen erzielt (Korrektorat, Layout, Datenkonvertierung, Druck, PR)

- digitale Publikationen zukünftig für verschiedene Geräteklassen verfügbar (PC, Mobile, Tablet, eReader)

- Printauflagen im qualitativ hochwertigem Digitaldruck

- durch Print on Demand keine Auflagenbegrenzung

- privat-rechtliche OA-Verlage sollten nicht Repository-Berteiber sein

- wissenschaftliche Publikationen/Daten sollten bei öffentlich-rechtlichen Institutionen abgelegt sein (z.B. Bibliotheken als Repository-Betreiber)

 

- Vorstellung von PUBLISS: webbasiertes Publikationssystem für OA-Verlage

- Basiert auf Ruby on Rails

- Publikationstool mit einfacher Auswahl der Dienstleistungspakete und sofortiger Kostenkalkulation über neu entwickelten Algorithmus

- stärkere Transparenz für den Autor, durch Möglichkeit mit den Parametern zu "spielen"

 

- Kritik: Korrektorats-Leistungen lassen sich nur schwer automatisiert kalkulieren, da unterschiedliche Textqualitäten vorliegen werden

- Zur Lösung ist eine Pauschalkalkulation geplant (es ergibt sich eine ausgleichende Mischfinanzierung)

- Bei sehr fehlerhaften Texten ist dem Verlag eine Ablehnung oder Nachkalkulation vorbehalten

- Zielkosten lassen sich über Schieberegler auf vorhandenen Etat angleichen

- Anschließend Metadatenerfassung und Dateiupload

- Alle so eingereichten Publikationen werden vor Veröffentlichung auf Relevanz geprüft und einem Peer Review unterzogen

 

- Katalogtool mit bibliographischen Angaben, verschiedenen Nutzungsfunktionen und Mehrwertdiensten

- Grafisches Frontend mit Mashup-Charakter

- Direkt aus den Suchergebnissen lässt sich der Volltext mittels Viewer anzeigen und durchsuchen

- Erweiterte Suche aufklappbar (tec. AJAX)

- Download erfolgt direkt aus dem externen Repository

- Printausgabe über internen Warenkorb bestellbar

- Coverabbildung mit Haupfunktionen als Widget zur viralen Verbreitung verfügbar

- Kontaktformular zum Autor

- Disskussions-Funktion

- RSS-Feed

- Ergänzende Materialien können vom Autor in den Katalog eingebettet werden (Text, Daten, Maps, Fotos, Videos, Slides, Audio; tec. Oembed)

- Verweis auf ähnliche Publikationen und Tag Cloud wird angezeigt

- One-Click-Übernahme der bibliographischen Daten in alle großen Literaturverwaltungsprogramme (tec. COINS, BibTEX, RIS)

- Anzeige und Kopie der bibliographischen Daten in div. Zitationsstile (tec. CSL)

- Sharing mit Social Media-Diensten

- Autoren ID soll zukünftig einbezogen werden (ORCID)

- Publikation wird über Schnittstellen an Repository, PoD-Server und diverse Volltext-Portale (Google Books, Scribd, Issuu, txtr, PaperC etc.) verbreitet

- Backend zur Administrierung des Verlags-Workflows über gleiches Webfrontend erreichbar

 

- Derzeitig verwendetes Datei-Format ist PDF

- Kritik: kommt aus Printwelt; nicht ideal für multimediale Anreicherung in digitaler Welt

- Derzeit aber noch Standard im Dokumentenaustausch

- Publikationsworkflow basiert auf XML und kann so mittelfristig als Quelle für andere Formate und Darstellungen genutzt werden (App?, EPUB?, HTML?)

- PDF ermöglicht die gestalterische Einheit von Print- und Online-Publikation, was die Zitierfähigkeit vereinfacht (s. Problem von Artikeln, die nicht im Verlagslayout online-archiviert werden dürfen)

- PUBLISS ist für ein grafisches Internet konzipiert, welches zukünftig auf visueller Ebene erweiterte Funktionen abbildet (Eine Session auf #bib4?)

 

- Das System wird in einer Pilotphase von GEOZON für die Geo- und Umweltwissenschaften eingesetzt (Start der Beta-Version im Juni)

- Anschließend Nachnutzung durch weitere OA-Verlage und Fachbereiche

 

- OA-Publikationen sollen auch ihren Weg in die Bibliotheks-Nachweise finden

- Verknüpfung der verschiedenen Kataloge (Analoger Bestand & Dateien aus Repository) in einer Suche

- Beispiel für Open-Access-Ressourcen im Bibliotheks-Katalog: ALBERT 

- Bibliothek kann OA-Publikationen nach lokalen Erfordernissen aggregieren und ordnen (Beratungskompetenz)

- Förderung des OA-Ansatzes durch mehr Präsenz in bibliothekarischen Angeboten (Katalog, Webseiten, Social Media)

- Ein anderes Agreement als Kaufverträge zwischen Verlag und Bibliothek könnten zukünftig Kooperationsverträge sein, die z.B. Autoren einer Einrichtung besondere Konditionen bei ausgewählten OA-Verlagen ermöglichen

 

Fazit: In einer Open-Access-Welt sind Verlage und Bibliotheken weiterhin wichtige Akteure und Partner, wenn sie sich auf den Wandel einlassen und diesen im Sinne der Nutzer gestalten. Neue Geschäftsmodelle und Technologien werden bereits ausprobiert oder sind im Entstehen.

 

Danke an alle Teilnehmer für die lebhafte und kritische Diskussion.

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