Konferenzbericht: EnergieMix 2050 in Berlin

Vom 19. bis 20. April 2010 fand in Berlin die Konferenz "EnergieMix 2050 - Die Rolle der Geowissenschaften für die zukünftige Energieversorgung" statt. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Frage, wie die zukünftige Energieversorgung in 40 Jahren angesichts von sinkenden Rohstoffreserven und Klimaschutzbemühungen aussehen könnte. Ungefähr 300 Teilnehmende aus Forschung, Wirtschaft, Universitäten und Ämtern nahmen an der Veranstaltung teil. 

 

Die Konferenz fand im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2010 - Die Zukunft der Energie statt. Veranstaltet wurde sie von GeoUnion und der Geokommission. Das Vortragsprogramm ist hier online einsehbar. Ein fertiges Konzept für die Zukunft der Energieversorgung wurde nicht vorgestellt, sondern nur mögliche Szenarien und Visionen, sowie Problemstellungen, die sich daraus für die Geowisssenschaften ergeben.

 

Konsens unter den Vortragenden war, dass die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Energieerzeugung bleiben werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien werde zwar wachsen, aber weiterhin einen Minderheitsanteil an der Energieerzeugung stellen. Außerdem bestanden Vorbehalte gegenüber erneuerbaren Energien auf Grund der Förderung und zu hoher Kosten.

 

Indian Point Nuclear Power Plant Buchanan, New York. Foto: Tony the Misfit, Flickr. Lizenz: CCBY2.0
Indian Point Nuclear Power Plant Buchanan, New York. Foto: Tony the Misfit, Flickr. Lizenz: CCBY2.0

 

Erneuerbare Energien und Geothermie

 

Nach Meinung von Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß sei die Förderung erneuerbarer Energien über das Erneuerbare Energien Gesetz zu teuer und andere Maßnahmen, wie Energieeinsparungen preiswerter und effektiver. Außerdem sei eine Weiterbetreibung der bestehenden Atomkraftwerke und ein eventueller Neubau aus Klimaschutzgründen zu überprüfen. Hier müsse aber die Endlagerfrage gelöst werden.

 

Einen durchaus optimistisch gestimmten Ausblick gab es im Bereich Geothermie. Bis ca. 2040 wären erneuerbare Wärmebereitsteller (Solarkollektoren, Geothermie und Biomasse) in der Lage 100% des Wärmebedarfs von Deutschland zu decken, so Prof. Dr. Horst Rueter. Den Einsatz von Erdwärme begründete er mit dem Konzept der Exergie. Es mache keinen Sinn bei 200°C Holzpellets oder Gas zu verbrennen, um einen Raum auf 22°C zu heizen. Erdwärme mit einer Temperatur von 35°C wäre für diese Aufgabe schon ausreichend. Genauso könnte für die Kühlung Erdwärme benutzt werden, anstatt Klimaanlagen zu betreiben. Generell werden zum Einsatz der Erdwärme aber noch mehr Aufschlüsse benötigt, damit genaure Karten des Untergrunds erstellt werden können und bessere Daten zur potentiellen Nutzung vorliegen.

 

Das Nesjavellir-Geothermie-Kraftwerk in Þingvellir, Island. Foto: Gretar Ívarsson. Lizenz: Public Domain
Das Nesjavellir-Geothermie-Kraftwerk in Þingvellir, Island. Foto: Gretar Ívarsson. Lizenz: Public Domain

Fusionsenergie als ferne Lösung der Energiefrage?

 

Als eine Lösung zukünftiger Energieprobleme wurde das Fusionskraftwerk beschrieben. "Heutige konventionellen regenerativen Energien können eine Brückentechnologie bis zum Einsatz der erneuerbaren Energie Kernfusion bilden", sagte Prof. Dr. Frank Behrendt von der TU Berlin in seinem Vortrag zum Thema Potenzial und Grenzen erneuerbarer Energien. 

 

Prof. Dr. Günther Hasinger vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Garching stellte daraufhin den aktuellen Stand der Fusionsforschung am Beispiel des deutschen Projekts Wendelstein 7-X in Greifswald und dem internationalen Forschungsreaktor ITER vor. ITER werde erst zwischen 2020 und 2030 zeigen, dass Fusion machbar sei, ein Demonstrationsreaktor könnte 2050 folgen. Fusionsenergie werde also bis 2050 keine Rolle in der Energieversorgung spielen und auch danach ist es ungewiß, ob die Fusionskraft technisch beherrschbar und marktreif wird.

 

 

Offshore Windenergie benötigt Aufschlüsse des Untergrundes

 

Prof. Dr. Tobias Mörz hielt einen Vortrag zur Windenergie-Gewinnung in der flachen Nordsee und deren geotechnologische Erschliessung. Dies ist vor allem für Geologen spannend, da vor Bau von Offshore Windparks der Nordseeboden beprobt werden muss  und so mehr über den bisher unerforschtes Untergrund des Meeresboden bekannt wird. Vergrabene Strukturen wie Flüsse und Täler wurden während der Untersuchung bereits entdeckt und kartiert. Es zeigt sich, dass der Meeresboden keineswegs so homogen und einfach strukturiert ist, wie der bisherige Forschungsstand suggerierte. Generell stellte Mörz einen Mangel an offshore Karten fest, einhergehend mit einer Überplanung und Übernutzung dieser Region. Mit dem Bau der Windparks sind große Chancen für die Forschung verbunden. Die im Vorfeld gemachten Aufschlüsse könnten auch für die Grundlagenforschung genutzt werden.

 

Offshore wind turbine, Thames Estuary. Foto: phault via Flickr. Lizenz: CC BY 2.0
Offshore wind turbine, Thames Estuary. Foto: phault via Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

 

Gashydrategewinnung und gleichzeitig CO2-Einlagerung

 

Prof. Dr. Bernhard Cramer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stellte in seinem Vortrag über die Perspektiven fossiler Energierohstoffe fest, dass die EU und USA bereits fast 50 % des konventionellen verfügbaren Erdgases produziert haben. Allerdings gäbe es riesige Reserven nicht konventionellen Erdgases in der Hinterhand, darunter vor allem Shale-Gas und Methanhydrate.

 

Über Shale-Gas sprach Dr. Hans-Martin Schulz vom Geoforschungszentrum Portsdam (GFZ). Während die Nutzung von Shale-Gas in Deutschland bisher keine Rolle spielt, wird es in den USA schon im großen Stil erschlossen und deckt fast 40 % der us-amerikanischen Gasproduktion ab. Im Rahmen der interdisziplinären europäischen Forschungsgruppe GASH ist für die EU ist eine Black Shale Database in Planung, die die europäischen Vorkommen erfasst. Als Risiken der Shale-Gas Gewinnung wurden die Lösung anderer toxischer Stoffe und Grundwasserverunreinigung angeführt.

 

Eine wichtige Rolle in der Energieversorgung der Zukunft könnten nach

Prof. Dr. Klaus Wallmann von IFM-GEOMAR, der das Projekt SUGAR leitet, marine Gashydrate bilden. Erdgaslagerstätten werden immer weiter ausgebeutet, und auch aus Sicht der Abhängigkeit von Lieferanten wird hier die Diversifikation der Bezugsquellen angestrebt. Methanhydrate kommen praktisch an allen Kontinentalrändern vor und könnten erschlossen werden. Durch die Einspeisung von CO2 können Methanhydrate in Erdgas und CO2-Hydrate umgewandelt werden. Dieses Verfahren wurde bisher nur im Labor getestet. Hier befindet sich die Forschung aber noch in einem sehr jungen Stadium. Ein erster Feldtest soll onshore ab diesem Jahr in Alaska stattfinden. 

 

Gashydratblock mit Struktur aus der Subduktionszone vor Oregon. Foto: Wusel007. Lizenz: CCBY-SA 3.0
Gashydratblock mit Struktur aus der Subduktionszone vor Oregon. Foto: Wusel007. Lizenz: CCBY-SA 3.0

 

Konkurrierende Nutzung des Untergrundes

 

Über die CO2-Speicherung im Untergrund referierte Dr. Johannes Gerling von der BGR. Im Bereich Tiefen Geologie komme es vermehrt zu Nutzungskonflikte durch teilweise konkurrierende Nutzung. Unterirdische Kavernen werden zur Zeit bereits für Erdgasspeicher genutzt oder aber nehmen chemotoxische und nukleare Abfälle auf. Auch als Zwischenspeicher für erneuerbare Energie in Form von Druckluft oder Wasserstoff werden diese Strukturen benötigt. Ebenso gibt es mit der Geothermie Überschneidungen in der Nutzung.

 

Der Austritt von CO2 aus unterirdischen Lagerstätten sei ein geringes Risiko. Ein Austritt sei viel eher in Gesteinen wie der Eifel oder Toskana wahrscheinlicher, da dort das Gestein lange Risse enthält.

 

Mehr zum Thema

 

Auf der Website der BGR finden sich verschiedene Publikationen zu den angesprochenen Themen.

 

Unter dem Motto "GeoEnergy – From Visions to Solutions-Bridging the Gap between Conventional and Renewable Energies" findet vom 1. bis 3. und 6. bis 8 September 2010 im GFZ German Research Centre for Geosciences in Potsdam erst eine Summer School statt und anschliessend eine internationale Tagung.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0